Orte im Kreis Bütow
Bernsdorf
Das Dorf Bernsdorf, das seit 1945 den polnischen Namen Ugoszcz führt, wird in einer Urkunde vom 3. Februar 1350 namentlich erwähnt. In einer weiteren Urkunde vom 10. August 1358 verleiht Nikolaus von der Frantz, Hauskomtur des Deutschen Ordens zu Bütow, seinem getreuen Bernhard das Dorf Bernsdorf mit dessen 46 Hufen. In der Urkunde kommen auch ein Pfarrer und eine Gaststätte vor. 1372 und 1387 ist von dem Dorf mit Mühle und Gasthof die Rede. 1438 hat das Dorf 36 Zinshufen Hofstellen, die mit Steuern belegt waren), einen Schulzen, eine Mühle und eine Gastwirtschaft. 1560 gab es in Bernsdorf außer dem Schulzen 16 Bauern, sechs Kätner (abhängiger Kleinbauer oder Tagelöhner, der in einer Kate wohnt oder lebt), einen Müller und einen Gastwirt. Bis 1572 sank die Anzahl der zinspflichtigen Hufen des Dorfs auf 32. Im Jahr 1596 gab es in Bernsdorf zwei Schulzen, 18 Bauern, acht Kätner, einen Müller und einen Gastwirt.
Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Bernsdorf stark durch Brandschatzungen und Requirierungen in Mitleidenschaft gezogen. 1658 gab es in dem Dorf nur noch zwei Halbschulzen, drei Bauern, fünf Kätner und den Müller. Besonders die schwedische Besatzung auf der Burg Bütow zwang die Verwaltung der Stadt, sie zu ernähren; die Stadtverwaltung sah sich deshalb genötigt, auf die landwirtschaftlichen Betriebe der umliegenden Amtsdörfer zurückzugreifen. Im Zeitraum 1560 bis 1561 sank die Anzahl der in Bernsdorf ansässigen Familien von 25 auf elf. Nach Kriegsende erholte sich das Dorf allmählich. Im Jahr 1687 gab es wieder zwei Schulzen, sieben Bauern, drei Kätner, einen Müller und einen Gastwirt.
1730 brannte die Mühle ab. 1750 hatte Bernsdorf etwa 250 Einwohner mit 52 Familien. Zur Regierungszeit Friedrichs des Großen (1740-1786) wurden politische Maßnahmen zur Wiederbelebung der Volkswirtschaft insbesondere in Hinterpommern ergriffen. Im Rahmen einer derartigen Kampagne wurden im Jahr 1763 sieben Familien aus Bernsdorf in andere Dörfer des Kreises Bütow umgesiedelt und dafür 18 aus Demlin, Kreis Berent (Kościerzyna) stammende Familien in Bernsdorf angesiedelt.
Um 1782 gab es in der Ortschaft 18 Bauern, unter denen sich zwei Freischulzen und ein Gastwirt befanden, einen Schmied, ein römisch-katholisches Pfarrhaus mit zugehöriger Landwirtschaft (Parochie), auf deren Gelände zwei Familien lebten, einen lutherischen Schulmeister, einen Unterförster und insgesamt 36 Haushalte.
Im Jahr 1855 wurden in Bernsdorf 755 Einwohner gezählt, die auf 160 Familien verteilt waren. Um diese Zeit sprachen in dem Ort nur einige alte Leute kaschubisch.
Die Feldmark von Bernsdorf weist im tieferen Untergrund einen Bernstein und Braunkohle führenden Schluffmergel auf. Im Ort befand sich eine Bernsteingräberei die 1865 aufgegeben, weil der Bernstein nur noch in Tiefen von über 30 Metern gefunden wurde und der Abbau mit den bis dahin angewandten primitiven Förderungsmethoden nicht mehr lohnte.
Durch einen am 30. März und 3. Mai 1859 zwischen dem früheren Lehensschulzen Caspar Diedrich zu Bernsdorf und der Oberförsterei Zerrin abgeschlossenen Tauschvertrag, der zwei je 17 Morgen und 96 Quadratruten große Parzellen betraf, änderte sich der Grenzverlauf zwischen den Gemeinden Bernsdorf und Zerrin.
Nach einem vorübergehenden Bevölkerungsrückgang in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden im Jahr 1925 in der Gemeinde Bernsdorf 829 Einwohner gezählt, die in 171 Haushalten lebten.
1930 wurde eine Schule für die polnische Minderheit im Ort eröffnet. Das Gebäude ist heute noch vorhanden und mit einer Erinnerungstafel versehen.
Bernsdorf hatte eine Gemeindefläche von 19,8 km² und beherbergte drei Wohnplätze: Bernsdorf, das Forsthaus Grünhof und das Waldarbeitergehöft Abbau Stüdnitz. Hauptwohnort war Bernsdorf. Durch den Ort fließt ein kleiner Bach, der aus dem Pfaffensee kommt, sich hinter Bernsdort in Richtung Bütow schlengelt und in den Mankwitzsee mündet. In der Gemeinde standen insgesamt 104 Wohngebäude. Um 1935 hatte Bernsdorf unter anderem zwei Gasthöfe, ein Elektrizitätswerk, eine Mühle, zwei Schmieden, eine Tischlerei und eine Ziegelei.
Die vor 1945 in Bernsdorf lebende Dorfbewohner gehörten mehrheitlich seit Reformation der evangelischen Konfession an. Das Dorf hatte eine ev. Kirche. Unter den 829 Einwohnern des Jahres 1925 befanden sich 600 Protestanten, 220 Katholiken und ein Jude. Bernsdorf war Sitz eines evangelischen Pfarramts (der Landeskirche). In das für Protestanten zuständige evangelische Kirchspiel von Bernsdorf eingepfarrt waren die Gemeinden Gröbenzin und Reckow. Die evangelische Kirche wurde in den 1960 umgewidmet und diente den Bewohnern als Zweitkirche.
Bernsdorf war Sitz eines katholischen Pfarramts. Die St. Maria Magdalena Kirche brannte 1812 ab und wurde als rechteckiger Fachwerkbau 1819-1822 erneuert. Eingepfarrt in das katholische Kirchspiel von Bernsdorf waren die Gemeinden Gröbenzin, Klonschen, Lonken, Polschen, Adolfsheide, Rudolfswalde, Sommin, Sonnenwalde und Stüdnitz. Die katholische Pfarrkirche steht mitten im Dorf auf einer Anhöhe.
Unter https://www.parafia-ugoszcz.wiara.org.pl/start.html befindet sich die Pfarrgemeinde mit Informationen und Bilder zur Kirche und Friedhof.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Bernsdorf Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. Viele Bewohner, insbesondere des evangelischen Glaubens flüchteten, kamen wieder und wurden dann vertrieben.
Einige der Betroffenen haben ihre Fluchterlebnisse aufgeschrieben und veröffentlicht. Eine Liste der Berichte wird nachgereicht.
Liste der hier bekannten Berichte:
Informationen zum Ort:
- Standesamt: Damsdorf
(online abrufbar: ja) - ev. Kirchenspiel: Bernsdorf
(online abrufbar: nein) - kath. Kirchenspiel: Bernsdorf
(online abrufbar: nein) - Anzahl der Einwohner 1939: 752
- Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adressbücher (1939): 14 Güter
- Meyers Gazetteer: vorhanden
- Wikipedia-Eintrag: vorhanden
- Projekt Gefallenendenkmäler: vorhanden
- Geschichtliches Orts-Verzeichnis (GOV): BERORFJO84SC
Heutiger polnischer Name:
- Ugoszcz
Weitere Quellen:
- Digitalisat aus: Der Kreis Bütow. Bearbeitet von Gerhard Bronisch, Walter Ohle, Hans Teichmüller. (Die Kunst- und Kulturdenkmäler der Provinz Pommern Bd.1) Stettin 1938, 2.Aufl. 1939
- Digitalisat aus: Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1054,
